Zollikoner Seminare. Protokolle - Zwiegespräche - Briefe. by Martin Heidegger

By Martin Heidegger

Der Band vereinigt die Materialien der Begegnung zweier so unterschiedlicher Menschen wie des Philosophen Martin Heidegger und des Psychiaters Medard Boss und der ihr folgenden nahezu dreissigjahrigen Freundschaft. Er enthalt die Protokolle der etwas uber 20 regelmassig in Zollikon stattfindenden Seminare, die von Martin Heidegger geleitet wurden und deren Teilnehmer 50 bis 70 Psychiatriestudenten und psychiatrische Assistenten waren. Die Protokolle wurde von Heidegger jeweils durchgesehen und erganzt. Sie bilden den ersten Teil des Bandes. Der zweite Teil enthalt die nachstenographierten Gesprache zwischen Heidegger und Boss. Der dritte Teil versammelt Auszuge aus den uber 250 Briefen, die Martin Heidegger seit 1947 an Medard Boss geschrieben hat. In diesem Band kommen zentrale Themen von Heideggers Denken zu Wort, aber durch die Begegnung mit der Psychiatrie in einer Weise, wie Sie sonst nirgends zu lesen sind. Das Resultat ist eine der besten und klarsten Einfuhrungen in das Denken Martin Heideggers. Diese Texte sind hochst bemerkenswert. Denn erstens spricht hier Heidegger nicht zu Fachphilosophen, sondern, um vieles verstandlicher zwar, zu Wissenschaftlern, aber doch zu philosophischen Laien. Zum anderen greift er am Ende seines Lebens auf sein erstes Hauptwerk - Sein und Zeit - zuruck, das hier nun plotzlich auf ungeahnte Weise fruchtbar wird fur die Wissenschaft vom Menschen, die Psychologie und Psychiatrie.Zurcher Tagblatt

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Erläuterungen Zu Georg Büchner, Woyzeck by Rüdiger Bernhardt, Georg Büchner

By Rüdiger Bernhardt, Georg Büchner

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Eigentlich hat es das Jahrhundertdrama Woyzeck nie gegeben. Bekanntlich hat Georg Büchner seine wohl im Sommer 1836 in krakliger, nahezu unleserlicher Handschrift im Straßburger Exil begonnene Tragödie über den kleinen Soldaten, den eine übermächtige Umwelt und der eigene Wahnsinn zum Mord an seiner Geliebten treiben, nie zum Abschluß gebracht: Es existieren nur different Neu-, Lese- und Bühnenfassungen, von denen jede beansprucht, authentischer als die anderen zu sein.

Selbst diese Rekonstruktionen aber illustrieren Büchners bestechende dramaturgische Meisterschaft: Wie es ihm in einer speedy filmisch scharf geschnittenen Szenenfolge gelingt, Woyzecks Vorgesetzten mit wenigen Worten als hilflosen Unmenschen zu karikieren, der sich in Tautologien verheddert ("Moral ist, wenn guy moralisch ist"), oder den kantianischen Doktor bloßzustellen, der den armen Titelhelden für "ein paar Groschen täglich" als Versuchstier mißbraucht, ist in der deutschen Literatur ohne Parallele.

Als schließlich der schneidige Tambourmajor wie ein Gockel beim Zapfenstreich vor Woyzecks Geliebter Marie herumstolziert, um sie zu verführen, ist die Menagerie männlicher Triebe vollständig und mit knappsten Mitteln vorgeführt. Denn auch in den Regieanweisungen herrscht eine rationelle Perfektion, die langes Reden überflüssig macht: Wenn Büchner seinen Woyzeck zum Stöckeschneiden aufs freie Feld schickt, dann ist sein niederer Militärrang wie nebenbei ausreichend eingeführt. Und wenn er Marie in ihrer Kammer zeigt, wie sie sich selbst mit den Ohrringen des Tambourmajors in einer spitzen Scherbe spiegelt, kommt einem unweigerlich Gretchens Sehnsucht nach dem Besitz des mephistophelischen Hals- und Ohrschmucks in Goethes Faust in den Sinn. Besser -- und anspielungsreicher -- kann guy kaum schreiben: Jede Metapher des Dramas spitzt das Geschehen etwas mehr auf das grausige Ende zu: Da nämlich zieht Woyzeck seiner Marie mit dem Messer ein blutiges "Halsband" über die Kehle. Gemeinhin gilt Woyzeck als erstes soziales Drama und damit als gravierender Einschnitt der deutschen Literaturgeschichte. Tatsächlich erzählt es von der unausweichlichen Ungerechtigkeit und Grausamkeit der Welt: Radikaler noch als in Büchners Dantons Tod ist hier das Scheitern revolutionärer Ideale, das Ende der Geschichte, in jeden Satz mit eingekerbt. Als Woyzeck dem Hauptmann beim Rasieren das Messer an den Hals setzt, ohne sich der machtvollen Möglichkeiten seines Tuns bewußt zu sein, ist dies aufs Anschaulichste ausgedrückt. Es ist ein ungeheuer dichtes Bild voll rätselhafter, erschreckender Poesie -- auch was once das angeht, ist vielleicht nur Büchners unterschätzte Komödie Leonce und Lena mit ihrer absurden Komik noch ein wenig schöner.

"Er läuft ja wie ein offenes Rasiermesser durch die Welt", bemerkt der Hauptmann einmal über Woyzeck, "man schneidet sich an ihm". An dieser politischen und sprachlichen Schärfe hat auch Büchners sezierendes Drama bis heute nichts verloren. --Thomas Köster -- Dieser textual content bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .

Inge Diersen, Zeitschrift für Germanistik 1/1986

ie Ausgabe macht den originalen Büchnertext - endlich - für jeden Interessierten zugänglich. Der Band schließt mit einem Essay Poschmanns zu den "Problemen der "Woyzeck"-Edition, in dem er u. a. eine informative Darstellung der Überlieferungsgeschichte und der Textlage bringt, und zwei Übersichten. Die erste erfaßt - und das geschieht in dieser shape in der "Woyzeck"-Forschung erstmalig - sehr instruktiv und aussagekräftig die Entfaltung des Figurenfeldes und die Veränderung der Figurennamen und -bezeichnungen, wie sie an den Entstehungsstufen ablesbar ist. Die zweite dokumentiert, aus welchem Textmaterial sich die "Werkfassung" zusammensetzt. -- Dieser textual content bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .

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